Claudio Hils | Visuelle Kommunikation

Unvollendet, vollendet!

Von der Tochter von Karl Steinorth († 10.2.2000) aufgefundene Schreibmaschine mit unvollendetem Text über das Buch „Red Land, Blue Land“ von Claudio Hils aus dem Jahr 2000.
Foto der Schreibmaschine mit dem Textfragment, entstanden 2026.
Copyright Claudio Hils

Unglaublich!
Eine Schreibmaschine mit einem darin eingespannten Papier aufzufinden, darauf getippt ein unvollendeter Pressetext über mein Buch, das vor 26 Jahren im Jahr 2000 erschien, grenzt an ein Wunder.

Es war das erste eigene Buch beim renommierten Kunstverlag Hatje Cantz mit dem Titel „Red Land, Blue Land“. Thematisch beschäftigt es sich mit der Geschichte von Kriegen in einer abstrakten Form: Kriegssimulationen und Waffensysteme, dargestellt über ein Jahrhundert hinweg. Von den Pferdeunterständen der Kaisertruppen im 19. Jahrhundert bis ins digitale Zeitalter der Kriegsführung am Computer.

Publiziert wurde das Buch nach langen und schwierigen Jahren der Zutritts- und Vertragsverhandlungen über die Bildnutzung. Und dies sowohl mit der Bundeswehr als auch mit der britischer Rheinarmee, die seit 1945 bis heute, auf dem Truppenübungsplatz Sennlager Training Center, Platzherr ist.

Auf der einen Seite, Straßen aus dem Nichts ins Nichts, zerschossene Panzer und Autowracks, Dörfer- und Menschenattrappen, auf der anderen Seite nahezu grenzenloses Naturerleben und selten gewordene Artenvielfalt auf dem, für Nicht-Militärs, hermetisch abgeriegelten Truppenübungsplatz. Horror-Showroom und zugleich ökologischer Schatz. Noch während des Studiums an der GHS-Universität Essen hatte ich an dem Projekt begonnen zu arbeiten. Eine aufregende Zeit!

Dem Autor des Textes über mein Buch bin ich persönlich nie begegnet.

Und dann das!
Eine aus der Zeit gefallene Schreibmaschine in Kombination mit einem unvollendeten Manuskript, zusammen ein spannendes, bereits historisches Zeitdokument mit erschreckenden aktuellen Bezügen, verschmelzen zu einem  „objet trouvé“, das schöner nicht sein könnte.

Ein stiller Beweis dafür, dass manches gerade im Unvollständigen seine endgültige Form findet.

Danke, Herr Steinorth!

Claudio Hils